Monique hat schon m.E. sehr gut beschrieben, wie und warum Sandstürme entstehen können und welche Gebiete besonders dafür exponiert sind bzw. sein können. Es gehören natürlich gewisse Windgeschwindigkeiten dazu, die nach meiner Erfahrung so oberhalb von 15m/s beginnen können. Da werden allerdings in erster Linie Staubstürme zu beobachten sein, denn ein Sandsturm beinhaltet dann schon gröberes Material und dann kann man oberhalb von z.B. 23m/s von einem "Sandstrahlgebläse" sprechen. Was das bewirkt, kann jeder Lackierer bzw. Maler plastisch vorführen. Es hat schon in Ísland des öfteren Fälle gegeben, bei denen Autos einseitig ablackiert und die Scheiben blind waren(die dann unbrauchbar, da undurchsichtig sind). Ablackiert d.h. es ist das blanke Blech nur noch vorhanden! Bei diesen Stürmen bzw. Orkan fliegen dann nicht nur kleine Steinchen sondern richtige Steine durch die Luft und ist es lebensgefährlich.
Man kann nur vorbeugen, in dem man sich - auch wenn man über Handy, Smartphone, Tablet usw. verfügt - rechtzeitig vor Fahrtantritt und auch unterwegs während der Fahrt bei Touristinformationen, Hotels, Tankstellenpersonal also vor allen Dingen sich bei Einheimischen während einer oder zu erwartenden kritischen Wettersituation erkundigt. Das ist ungemein wichtig, da die elektronischen Medien - auch hier das bereits erwähnte
http://www.vedur.is - nicht in der Lage sind, bestimmte örtliche Besonderheiten, die zu extremen und eng begrenzten örtlichen Situationen führen, abzubilden. Ich war vom 10. bis 12. 9. 2012 in Kirkjubaejarklaustur sozusagen auf dem Campingplatz "festgenagelt", da ein Orkan von Nordost die Insel überzog und der Platzwart auf dem Campingplatz zeigte uns auf dem Computer, was vedur.is für Windgeschwindigkeiten am Abend des 10. 9. anzeigte. Das war vergleichsweise "lächerlich" mit ca. 15m/s. Man muss dann die schriftliche Wetterprognose des diensthabenden Meteorologen lesen. Dort heisst es dann u.U. daß in Spitzenböen die und die Geschwindigkeiten erreicht werden können. In unserer Gegend und besonders im Bereich Kap Lohmagnúpur wurden Windgeschwindigkeiten an diesem Abend bzw. der Nacht von bis zu 45m/s erreicht. Ab 33m/s herrscht Orkan! Einheimische = also Ísländer kennen die Besonderheiten ihrer Umgebung und geben auch auf Anfrage in aller Regel sehr bereitwillig Auskunft. Ein Gespräch meinerseits mit einer Dame von der Touristinformation von Höfn nach dem Orkan vom 10. bis 12. 9. 2012 hat ergeben, daß Warnungen an Touristen, die mit Wohnmobil bzw. Wohnwagen an der Südküste unterwegs waren, nicht Ernst genommen wurden. Die Folge war, daß einige dieser Gefährte "flinken Fusses" die Straße verlassen haben und es waren ernste Schäden zu beklagen.
Die elektronischen Anzeigetafeln an der Ringstraße, die z.B. bei Vik i Myrdal, Djúpivogur, Egilstadir usw. zu sehen sind, zeigen immer die Windgeschwindigkeit in m/s und auch in roter Schrift, die möglichen Spitzengeschwindigkeiten bei Böen an. Aber das sagt noch nichts über lokale Besonderheiten aus, die auf der Strecke z.B. zwischen Djúpivogur und Höfn herrschen können. So hatten wir abends in Djúpivogur ca. 25m/s und im Breidafjördur etwa zur gleichen waren es 31m/s. Hier helfen die elektronischen Helferlein nur bedingt, sondern es ist intensive Kommunikation wichtig mit Einheimischen oder Reisenden, die aus dem Gebiet kommen, das man durchfahren möchte. Wir haben am 14./15. 9. in Djúpivogur dann mit 2 Wohnmobilen an der Caféteria in Djúpivogur an der Hauswand Schutz gesucht. Als der Myrdalssandur noch nicht im Straßenbereich (Nr. 1) mit Lupinen und Gras großflächig begrünt war (im Sept. 2000), habe ich mit Freunden 2,5 Tage in Vik i Myrdal festgesessen, da die Straße wegen Sandsturms unpassierbar bzw. gesperrt war. Nachdem der Sandsturm abgeflaut war, musste die Straße mit Schneepflügen von mehr als 50cm hohen Sandwehen geräumt werden.
Man muss eben in bestimmten Wettersituationen - wie Monique schon richtig schrieb "im Bett bleiben" -d.h. einen sicheren Ort aufsuchen oder da bleiben, wo man gerade ist - wenn es geht - in menschlicher Obhut unterkommen kann. Die beste Vollkaskoversicherung hilft nichts, wenn man das Wetter und seine Auswirkungen in Ísland nicht respektiert. Wetter in Ísland ist häufig mit unseren Wetterverhältnissen in Mitteleuropa überhaupt nicht zu vergleichen.
Es ist noch gar nicht lange her, daß eine komplette Busbesatzung, die auf dem Weg von Höfn nach Kirkjubaejarklaustur war, bei Kvisker mit Bergepanzern gerettet werden musste, weil der Bus durch Steinschlag im Sturm/Orkan fast sämtliche Fenster eingebüsst hatte. Das ist ja wohl die stärkste Form des "Sandsturmes".
Der Reiseleiter im Bus war übrigens ein Ísländer aus Reykjavik(!!), der noch in Höfn vor dem Wetter=Sturm gewarnt worden war. Já, und Kvisker ist eben auch eine solch windige Ecke.
Gruß Peturvilhjalmur