Hallo Markus, hallo alle miteinander,
da der alte Beitrag wieder offen ist, natürlich gern eine Info an Markus und ein wenig über unsere Tour, die so anders endete als erwartet …
@Markus: leider können wir dir nur begrenzt weiterhelfen, da wir die Strecke Langisjör- Landmanna gar nicht gewandert sind. Vielleicht helfen dir jedoch auch unsere Erfahrungen weiter- am Langisjör ist wettermäßig wirklich Vorsicht geboten …
Wir waren im Juli 2014 dorthin unterwegs.
Der Weg von der Eldgjá über Skaerlingar und am Blautulón vorbei war einfach wunderbar und ist absolut zu empfehlen. Fotos hatte ich schon gepostet.
Am Langisjör angekommen, verschlechterte sich das Wetter zunehmend- starker Wind. Wir hatten Probleme, einen Zeltplatz mit großen und schweren Steinen zu finden, um die Heringe aureichend beschweren zu können. Alles sandiger Boden!
Abends kam auch noch Regen dazu, es wehte sehr heftig. Abwettern war angesagt...
Da wir in Sichtweite der Piste zelteten, klopfte am Abend des nächsten Tages der Nationalparkranger und informierte uns, dass das Wetter sich noch mehr verschlechtert und wir bereits die letzten im gesamten Gebiet Langisjör wären.
Ausrüstung top- daher konnten wir vor Ort bleiben. Wir sollten unbedingt an dieser Stelle bleiben, er wollte am nächsten Abend wieder nach uns schauen.
Wir lagen günstig im Windschatten eines kleinen Berges, spannten das Zelt zusätzlich ab und machten es uns gemütlich.
Nachts und am folgenden Tag nahmen sowohl Wind als auch Regen ständig zu. Aus Sturm wurden orkanartige Böen! Wir beschlossen, mit dem Ranger das Gebiet zu verlassen- nur leider tauchte der nicht mehr auf.
Der Orkan kam in den nächsten Stunden mit unglaublichen Wassermassen direkt vom Vatna über den See. Nasser, schwarzer Sand flog ständig durch die Luft und sandstahlte förmlich das Zelt und die Abspannleinen.
Die Gemütlichkeit war endgültig vorüber- wir packten alle Sachen wasserdicht zusammen und zogen unsere Regensachen an. Die Wahrscheinlichkeit, dass unser Hilleberg mit verstärktem Scandiumgestänge das Ganze nicht schaffen würde, stieg an. Wir hingen nur noch in dem Gestänge und wurden beim Festhalten häufig von Wind und Wasserdruck regelrecht umgeschmissen. Wahnsinnslärm machte Kommunikation fast unmöglich. Wenn das Zelt nicht hielte, wären wir draußen in echter Gefahr.
Immer mehr Sturm, immer mehr Regenmassen! In der Zwischenzeit kullerten sogar fußballgroße Steine vor und hinter dem Zelt den Hang herunter. Weiter oben lösten sich kleinere Muren vom Hang.Wir saßen buchstäblich in der Falle.
Am Abend beschlossen wir daher, Landsbjörg per 112 zu rufen. Wir dachten nie, dass uns DAS mal passieren würde! Sage also niemals NIE …
Nach stundenlanger Warterei und Kampf mit den Elementen ebbte der Orkan nachts gegen 3 Uhr ab- und eine halbe Stunde später erreichte uns der Trupp von LB wie ein rettender Engel.
Auch der Rettungstrupp war froh, uns gefunden zu haben. Sie bestätigten uns, dass wir richtig gehandelt hatten- sie waren in großer Sorge um uns.
Im Superjeep wurden wir supernett mit heißem Kaffee und isländischen Sandwiches versorgt und unsere Lebensgeister kamen langsam wieder zum Vorschein.
Erst jetzt auf der Fahrt nach Landmanna sahen wir, was für Wassermassen in dieser Zeit heruntergekommen waren. Normalerweise kleine Bäche und Rinnsale waren zu mächtigen,breiten und nicht furtbaren Flüssen geworden. Selbst der Jeep hatte Mühe, die jetzt unzähligen Flüsse zu furten!
In Landmanna angekommen, konnten wir uns nur immer wieder bei den Landsbjörgern bedanken. Etwas anderes nahm der Trupp nicht an. Unsere Rettung war ihnen wirklich Ehrensache und Motivation.
Unser Zelt war auf dem Campingplatz ein trauriger Anblick- ehemals gün war nun graugrün und stumpf, in den unteren Bereichen fanden wir zahlreiche Löcher. Die Abspannleinen waren zum Teil aufgefastert. Das extradicke Scandiumgestänge war sogar verbogen.
Fazit eins: unser Zelt war in wenigen Stunden um 10 Jahre gealtert... aber Hilleberg ist einfach super und hat gehalten !!!
Fazit zwei: danke an den Ranger! Wenn er schon nicht selber kommen konnte, sollte er wenigstens bei solchem Orkan LB verständigen. Er wusste, dass wir die Einzigen dort oben waren. Wir hätten uns wahrscheinlich ansonsten irgendwo anders hin verdrückt.
Fazit drei: also bitte Achtung am Langisjör und überhaupt. Wir sagen nur- ISLANDWETTER ist wirklich unberechenbar !!!
Fazit vier: trotzdem ght es in diesem Jahr wieder nach Island- diesmal nach Snaefellsness und zum Langjökull
Liebe Grüße an alle von Reiner und Nina

- Ankunft