Na, da haben wir uns ja endlich alle wieder lieb (von Randbemerkungen einmal abgesehen) und sind so ziemlich alle so ziemlich einer Meinung:
- Genau, die Reifengröße sagt nur äußerst bedingt etwas aus über die Offroad-Qualitäten von Fahrzeug und Fahrer. Hab nen alten Transsylvania-Trophy-Video, da hat nicht der Monster-CJ7 gewonnen (sieht auf dem Video nach 38-Zöllern aus), sondern Platz 1 und 2 gingen an (zumindest was die Reifengröße angeht) relativ serienmäßige Puch alias Mercedes G.
- Genau, 44-Zöller (oder immer mehr im Aufschwung: 46-Zöller) fahren auf Island in erster Linie die Manager auf dem Weg zur Eisdiele auf der Hallgrimskirkja – Tjörn – Cruisingmeile. Allerdings halt auch diejenigen Isländer, die tatsächlich die Gletscher abfahren. Chevyarctictruck fährt mit seinen 35x12,5 (stimmts?) auch auf den Gletschern? Der Auflagedruck pro Fläche ist aber bei dieser Reifengröße (hab ich nämlich auch) und bei Chevys Gewicht von 2,5-3,5 t mind. so besch…eiden hoch wie bei meinen 2 Lappi-Tonnen. Siehe angehängtes Foto von Mai 2004 von meinen Abstecher-Versuchen n bisschen von der Ringstr. weg (nur braune F-Straßen).
- Genau, Offroaden im Sinne von abseits-der-Wege fahren zerstört die sensible (?) Lavawüsten-Natur Islands. Deshalb fahre ich als langjähriger Island-Natur-Freak (der ich ja auch schon mal 4 Wochen mit Zelt und MoutainBike und 2 (!) Tage zu Fuß von Landmannalaugar nach Thórsmörk unterwegs war) AUSSCHLIEßLICH AUF den in den Mál og Menning-Karten eingezeichneten Wegen. Ich hab in 7 Offroad-Aufenthalten auf Island auch noch keinen einzigen Offroader im Sinne von „abseits der markierten Pisten“ gesehen. Ich denke, wir alle sind mit dem Durchkommen auf den markierten Tracks mehr als genug beschäftigt. Mit Offroaden meine ich grundsätzlich einfach nur das deutsche Wort Geländefahren. Die von den Kartenverlagen eingezeichneten (also hat auch die isländische Straßenbehörde wohl nix dagegen) Tracks treffen meiner Meinung nach durchaus das kontinentale Verständnis von Offroad.
- Genau, der Pinzgauer-ähnliche 82-PS-aber-dafür-1,8-Tonnen-Lappländer ist für-alles-oder-nix zu gebrauchen, je nach idealistischem Standpunkt: Wie Pinzi und Unimog ist er zu schwer und zu langsam und wie der Pinzi zu kippelig. Dafür buddelt er sich mangels Kraft immerhin im Sand nicht ein (Erfahrungsbericht eines alten Sahara-Hasen). Sein Einsatzgebiet auf Island sind wohl in erster Linie gaaanz langsame Tracks mit extremem Geröll, z. B. Línavegur, Kollafjardarheidi usw., halt alles, wo man eh im ersten Gang der Reduktion ganz langsam vor sich hinkrabbeln muss… Jetzt fällt mir doch noch was ein: Lappi ist der ungekrönte Böschungs- und Rampenwinkel-König aufgrund seiner praktisch gar net vorhandenen Überhänge. Also Chevy und lralfi: Wir sehen uns an der nächsten Uferböschung
- Genau, die technischen Veränderungen und Belastungen, die mit dem Verbauen von übergroßen Rädern (ab Größe 38“) einhergehen, bringen ein Minus an Langlebigkeit und Alltagstauglichkeit, vom brutal hohen finanziellen Aufwand der Umbauten einmal ganz zu schweigen. Man darf aber nicht vergessen, dass die gesteigerte Bodenfreiheit und Rampen-/Böschungswinkel in manchen Pistensituationen oder Flüssen entscheidend fürs Durchkommen sein kann. 38er oder größer sehen also nicht einfach nur gut aus, sondern bringen ein ansonsten technisch gleiches Fahrzeug im schweren Gelände rein rechnerisch einfach weiter.
- Großes NEIN allerdings bei dem Vergleich örtliche Kiesgrube mit Island. Wer meint, man könne im Offroad-Park Langenaltheim (bei uns gleich um die Ecke) genauso heavy Geländefahren in genauso bombastischer Natur wie auf Island, der war wohl sowohl noch nie auf Island als auch noch nie in der örtlichen Kiesgrube.
@ lralfi:
Wunderbar, kaum drück ich mich etwas klarer aus und du liest nicht mehr zwischen den Zeilen irgendwelche Anspielungen oder Überheblichkeiten, die ich nie beabsichtigt hatte, da verstehen wir uns endlich

Die Ausführungen über dein Fahrzeug lesen sich ja schon ganz anständig, da kann man bestimmt so einiges anstellen in Islands Flüssen, Lavawüsten und Gletschern mit deinem Gefährt (vor allem 6x6 ist natürlich schon n exotisches Zuckerl fürs Gelände!), wahrscheinlich sogar mehr als mit meinem Lappi! Hat mich ja jetzt noch mehr neugierig gemacht auf die Auflösung, was du denn da für ein tolles Gefährt durch Islands Onroad-Tracks manövrierst!? Isses dieser Steyr (hab ich in irgendnem Thread von dir gelesen)? Sagt mir aber nicht wirklich was? 4x4-Lkw oder Pinzgauer oder was?
@tintop:
Deine Ausführungen über die technischen Umbauten beim Verbauen von 38“-Reifen oder größer hast du so umfassend geschildert, wie sie mir bisher noch keiner so vollständig (?) runterrattern konnte, Respekt! Vor allem die einschlägigen Firmen in Reykjavik, nämlich Breyttir, Fjallabilar und Gislason konnten mir den Grund für die veranschlagten 10-15.000 Euro bei weitem nicht so umfassend detailliert erläutern wie du. Also doch ich Gelände-Anfänger unter euch vielen Experten

hab ich kein Problem damit, sondern lern ja gerne von den Spezialisten!
@ Chevyarctictruck:
Der große Lappländer (C303) hat exakt die gleichen Reifen wie der kleine (C202), und zwar sowohl was die Serienbereifung 280/85-16 betrifft (glaub ich zumindest) als auch was die von den meisten deutschen Lappi-Fahrern montierten 9.00x16er betrifft. Natürlich sieht die Größe bei dem kleinen Fahrzeug ganz lustig überdimensioniert aus, ist aber wie gesagt ab Volvo Truck Company so freigegeben.
Keine Angst, hab net vor, dich allzu früh schon herauszufordern

(kleiner Scherz, als Offroad-Anfänger kann ich von dir und deiner Crew wohl nur lernen, zumindest im Konvoi meine Grenzen risikolos weiter ausloten)
Muß jetzt erstmal aufpassen, ob meine Frau am Ende der 9 spannendsten Monate unseres Lebens uns beiden nen kleinen, wilden Offroader beschert oder doch ne süße Gänseblümchenpfückerin

Du meinst also, ich wär mit nem Chevy K30 (eines der heißesten Kandidaten, falls ich einen meiner Lappis mal eintauschen sollt; alternativ könnts auch noch mal n Dodge W200 werden, diesmal aber in fahrbereiterem Zustand als mein letzter

besser equipped für ne Tour mit euch als mit meinem Lappi?
@ Peter:
Schönes Hochzeitsfoto mit dem Landy! Bei meiner Hochzeit letztes Jahr hatten wir ja leider meinen isländischen Lappi nicht zur Hand, weil er doch seit dem Kauf 2002 in seinem Heimatland Island stationiert ist (und registriert! Natürlich als steuerfreier Oldtimer, da sollte sich Deutschland mal n Gesetz abschauen bei den Isländern!). Aber immerhin die Hochzeitsreise konnten wir ja dann mit Lappi auf Island antreten, mit 1100 schönen Erinnerungsfotos.