In Akureyri war ich noch beim « Sjömannadagurinn », der Seemännertag, der sich beim offenem Schwimmbad abspielt : Shifferstechen, angekleidetes Schwimmenturnier, usw (ich hoffe, dass das Wasser erwärmt ist, bei solchem Wetter möchte ich gar nich angekleidet schwimmen...). Isländische Familien schauen an, trägen kleine blau-weiss-rote Kokarden im Knopfloch (in einigen Tagen wird es der 1100. Geburtstag der Isländischen Republik, aber da sollte man in Reykjavik sein, hier in Akureyri passiert weniges), lachen auch herzlich, wenn einer ins Wasser fällt...
Es kann heutzutage lächerlich klingen, aber im Tagebuch habe ich geschrieben : « Zwei schon bekannte Schweizer wieder begegnet : sie wollen die Schweiz anrufen ! », mit Ausrufezeichen ! Das schien mir dann äusserst komisch, nur Schweizer konnten solche eine Idee haben, aus Island nach Europa telefonieren !
Für einige Tage bin ich nach der Myvatngegend gefahren. Ein Isländer nimmt mich mit, er arbeitet in der Kieselgurfabrik, auf den heissen Quellen angelegt. Ich übernachte auf dem « tjaldstædi » (Zeltplatz), da gibt es nur ein Kaltwasserhahn, Toiletten... und sehr weniges flaches Land ! Ich bin da ganz allein, und geniesse den Blick über den See und die kleine Reykjahlidskirche. Ich gehe auch ein wenig, die Fabrik angucken (in Námaskarð) : ein dicker, stinkender Schwefelrauch kommt davon, aber auch ein schrecklicher, ständiger Druckdampfheulen, den man kilometerweit hören kann : und Schafe, arme Tiere, weiden ja ganz nah ! Sie sind wohl schon lange schwerhörig geworden ?
Von den « Myen » (Mücken) bin ich auch halb verrückt geworden, sie kommen in die Augen, ins Haar, in die Ohren, in den Mund, das ist nicht zum Ertragen, ich kannte nur an die Fabel « Le lion et le moucheron » denken (wie recht war La Fontaine !) Zum Glück kam der Wind auf, da wurde ich endlich befreit.
Auch hatte mich mein Fahrer von Storagja erzählt, das ist eine kleine unterirdische Bucht mit warmem Wasser (ca. Körpertemperatur) : im Wasser liege ich lange und friedlich, es ist dunkel, nichts gibt es zu hören ausser, irgendwo, einen Vogelflügelschlag, der möchte trinken, oder vielleicht auch baden... Man fühlt sich ganz ausser der Welt, oder vielleicht wie im Mutterbauch, im Erdebauch...
Die Mücken bewegen mich, weiterzufahren, richtung Dettifoss. Hier ist die Landschaft ganz öde und rauh, manchmal denke ich an Afghanistan, der Wind bläst mir Staub ins Gesicht, weil ich bei der Piste auf einen Wagen warte. Dieses Mal wird es nicht besonders leicht, doch nimmt mir ein VW-Minibus mit schon fünf Leute am Bord : ich habe Schwein, sir wollen genau das gleiche Tour machen, als ich ! Der Fahrer (schon wieder ein Pfarrer...) hat nämlich eine Schwedin geheiratet, hat sie nach seiner Heimat zurückgebracht, und will ihr jetzt berühmte isländische Orte zeigen, das heisst, ihr, aber auch ihrer jünger Schwester, und auch den zwei anderen Leuten : Dettifoss, Ásbyrgi und zurück nach Húsavík. Die junge Schwester sieht mich an und fragt mir mit erschrockenen Augen :
- Was für eine Idee hatten Sie, nach Island zu kommen ?
(tatsächlich eine gute Frage).
Sie schaut die öde, mondaussehende Landschaft an, sieht verblüfft aus, bleibt sprachlos, denkt ganz klar : hier wird aber meine Schwester leben ! Nur der junge isländische Pfarrer fühlt sich ganz wohl am Rad (was die Gattin denkt, werde ich nicht wissen).
Bei Dettifoss und / oder Ásbyrgi hatte ich erst gedacht, zu zelten, aber solche eine Gelegenheit lässt sich nicht ablehnen. In Húsavík trennen wir uns abends, und ganz königlich trete ich ins Húsavík Hotell (1240 Kronen pro Nacht). Weil ich an der Rezeption stehe, guckt eine schöne junge Isländerin die ganze Zeit auf meinen Pass, dann fragt sir mir, auf perfekten französisch, ob ich nicht mit einem anderen Franzosen, auch Philippe genennt, gekreuzt hätte, der wäre also im Moment ein Film um Myvatnvögeln drehend... Dann erinnere ich, dass ich tatsächlich einen Kerl mit Rucksack bei dem Myvatn gesehen habe, hätte gerne mit ihm geredet, aber ich sass im einem Wagen bei dem Fahrer, der wollte mich alles zeigen, was interessantes war, und nur eine Handbewegung konnte ich tun... Das Fraülein hat in Frankreich studiert, und wir schwatzen etwas auf französich (tut ja wohl !), weil die erstaunte Empfangsdame uns anschaut und kein Wort versteht. Leider bin ich doch nicht der richtige Philippe...
Ebenso königlich koche ich abends auf meinem « Camping Gaz », in meinem 1240-Kr. Zimmer.
Aus Húsavík bin ich wieder 2 Tage durch Weide und Moor gegangen, bis Goðafoss (ca 35 Km zu Fuss), dann habe ich wieder die Akureyristrasse getroffen, wurde von einem Rambler mitgenommen und vor dem Akureyri-Zeltplatz wieder ausgebootet, ohne dass ich etwas zu fragen hatte.
Am 17. Juni 1974, 1100. Geburtstag Islands, regnet es (ganz normal), ich rufe die Norðurflug-Gesellschaft an, wird es ein Flugzeug nach Grímsey trotz diesem Wetter doch geben ? Ja, das wird's geben, seien Sie um 14.30 auf dem Flugplatz. Also muss ich etwas eilen, der Flugplatz ist einige Kilometer entfernt, und ich will kein Taxi nehmen. Das heisst also mehr rennen, als gehen. Um 14.33 bin ich dort, schwitzend und ausser Atem.

(Das nächste : Grímsey)