ich stelle ja keineswegs in Frage, dass das so ist, Torsten auch nicht. Doch ist es hier wie immer wie in Gesetzen - erst kommt das Gesetz, dann die Praxis. Das neue Gesetz regelt unter anderem, dass Zelter immer dann auf einen Campingplatz zu gehen haben, wenn einer in der Nähe ist. Und Wohnmobilisten haben zu fragen, wenn es Privatgrund ist, auf dem sie gerne stehen möchten.
Jetzt kommt die Praxis dazu:
Was bedeutet es "wenn ein Campingplatz in der Nähe ist"? 1 km - 10 km - 100 km - das ist leider (und wie so oft bei Gesetzen) ein "Gummiparagraph".
Genauso sieht es aus mit dem Parkplatz, auf dem ein Wohnmobil über Nacht stehen könnte: Wie soll der geneigte Fahrer erkennen, ob sich der Parkplatz auf Privatgrund befindet oder auf öffentlichem Grund? Und wenn ich fragen soll, dann muss auch erst mal jemand da sein, den ich fragen kann. Ganz deutlich gesagt: Diese Notwendigkeit, die jetzt gesetzlich geregelt ist, habe ich schon immer so beschrieben: Im Zweifel immer fragen, ob es in Ordnung geht. Und wenn keiner da ist, den ich fragen könnte, sich auf jeden Fall so verhalten, dass niemand Anstoß nehmen kann. Dass in Nationalparks etc. Campingplätze zu nutzen sind, auch das schreibe ich deutlich.
Es ist ja auch so: Ich bin (als LKW-/Wohnmobil-/PKW-Fahrer) verpflichtet, eine angemessene Pause zur Wiederherstellung der Fahrtauglichkeit einzulegen, wenn ich mich nicht mehr imstande fühle, das Fahrzeug sicher zu steuern. Auch das ist gesetzlich geregelt. Aber wer regelt im Gesetz, wie lange die Wiederherstellung der Fahrtauglichkeit benötigt? Manch einer legt sich ne Viertelstunde aufs Ohr, schläft tief und fest und ist hinterher "fit wie ein Turnschuh", andere benötigen 10 Stunden dafür - je nach Situation.
Am Ende diskutieren wir doch "nur" um eines:
Es kommt immer darauf an, wie ich mich verhalte. Solange ich vor Ort nachfrage, ob es okay ist, auf einem Parkplatz zu stehen, bekomme ich auch keine Probleme. Und es sollte erkennbar Privatland sein. Es gibt schließlich auch "öffentliche " Park- und Rastplätze. Und es muss natürlich auch erst mal jemand da sein, den ich in Zweifelsfällen fragen kann...

In jedem Fall gehört auch generell dazu, sich angemessen zu verhalten. Da fallen mir solche Sätze ein wie "nimm schöne Eindrücke mit, aber bitte auch Deinen Müll", "verhalte dich so, dass ich niemand gestört fühlen kann", "halte die Natur sauber" etc. Und wenn möglich, frage eben nach, ob du an einem Platz stehen kannst. Dadurch kommt man auch in Kontakt mit den Isländern - und siehe da: Es sind sehr gastfreundliche Menschen. Und wer freundlich fragt, erhält (meistens) auch eine mindestens ebenso freundliche Antwort.
Das ist genau, was Peturvilhjalmur schreibt. Und ich beschreibe das in meinem Buch auch so - schon immer. Ich verweise dabei vielfach und deutlich darauf, wie empfindlich die Natur gerade in Island ist.
Nicht zuletzt sei mir ein Hinweis erlaubt:
Wann immer ich Feedback von meinen Lesern erhalte, höre ich sehr, sehr oft, dass diese ohnehin gerne (viele meistens und am liebsten) auf Campingplätze fahren. Viele schätzen den Stromanschluss, die Dusche, Aufenthaltsraum, WC usw.
Wir (und auch das neue Gesetzt) wenden uns eigentlich "nur" an das (un-)angemessene Verhalten derjenigen, die sich nicht an Spielregeln halten. Ich hatte schon geschrieben: An Fehlverhalten ist nicht mein Buch schuld (oder andere seriöse Reiseführer), sondern die Gedankenlosigkeit derer, die meinen, die Freiheit für sich gepachtet zu haben, diese Freiheit missbrauchen zu dürfen und die sich nicht an die "Spielregeln" halten.
Ich bin sicher, auf diesem Level können wir alle gut leben - auch die Isländer und die isländische Natur, die wir schließlich alle noch nach Jahren gerne genießen möchten.