Island hat mich wieder! So dringend war die kleine Pause, denn der Oktober und November waren so völlig anders, haben all meine Energie geklaut … drei bis vier Wochen ohne Frei sind einfach nicht das Wahre. Aber ein Perspektivwechsel tut immer gut, viele Weihnachtsmärkte tun gut, Freunde und Familie noch besser. Und als ich gestern Nacht mein Auto vom Flughafen nach Reykjavík steuerte, da fühlte ich mich schon wieder heimisch

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Nur an die Temperaturschwankungen muss ich mich noch gewöhnen

. Anfang Dezember startete ich in Rvk bei –5°C und landete in FRA bei 15 °C, gefühlte 25°C und auf dem Rückweg war es dann prompt umgekehrt: Berlin –15°C und Rvk –5°C. Da soll noch einer mitkommen! Immerhin war meine Rückfahrt eis- und schneefrei, denn als ich am 1. Dez nach Rvk aufbrach, kämpfte ich mich 180 der 260 km über eine verschneite und vereiste Ringstraße und weiß seit dem auch, wie gefährlich diese kleinen Schneeverwehungen auf der Straße sind. Aber all die Straßenwidrigkeiten sind vergessen, wenn man bei einer Außentemperatur von –7°C das Wasser des Laugardalslaug durchpflügt und sich anschließend genüsslich in den 42-Grad-Hot-Pot sinken lässt. Ach Deutschland, was hast du da Nachholbedarf

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Der Rückflug gestern wurde ja fast noch zum Knüller. Während ich so vor mich hindöste (jaja, ab Berlin fliegt man abends und ich nahm die Route zum ersten Mal), tönte die Stewardess irgendwas von „famous icelandic singer“ und prompt begann er das Mikro, mit dem sonst der Gebrauch von Schwimmwesten erklärt und der 3-Liter-Pack Vino angepriesen wird, für eine erste Gesangseinlage zu nutzen. Famous? Nee, das Gesicht hatte ich noch nie nicht gesehen und wir haben so manche CD im Restaurant. Der kann soo bekannt nicht sein. Und die Musik riss mich auch nicht vom Hocker. Aber das kenne ich von isländischer Musik ja schon

. Stimme hatte er jedoch, da konnte man nicht meckern. Anschließend ging er durchs Flugzeug, schwatzte hier, schwatzte da und ich hatte das Gefühl, er tut das nur, weil er genauso schlecht sitzen kann wie ich, denn ich wusste mit meinen Knien nicht wo hin, wurde aber bei jedem Ausstreckversuch vom Rollwagen des Bordpersonals überrollt. Und döste wieder ein. Irgendwann später gab der Sänger eine zweite und nach heftigen meira-meira-Rufen noch eine dritte Einlage und da konnte ich es mir ja nicht verkneifen, meinen isländischen Sitznachbarn übern Gang, der auch für den Duty-Free-Wein zuständig war und eifrig mitklatschte, nach dem Namen zu fragen. Helgi Björns. Hmmmm. Helgi. Joa, das sagte mir was, aber das Gesicht konnte ich mit dem Namen nicht verbinden. Erst auf der Fahrt nach Rvk fielen mir Helgi und seine reiðmenn ein, da machte es krawumm in meinem Kopf. Die
CD hatte ich schließlich hunderte Male im Restaurant zwangsabgespielt, weil unser Radio kaputt ist. Na denn! Das war also Helgi! Na gut, auch Helgi ändert Frisur und Figur. Aber jetzt, wo ich wusste, wer er war, fand ich die Aktion auch gut, konnte das Mitklatschen der Isländer aber nicht mehr nachholen

. Erla meinte heute gleich: Jaja, Helgi hat ein Restaurant und ein Hotel in Berlin. Ah so. Schön, dass er mit mir nach Hause flog. Ich verzeihe ihm, dass er mich vom Schlafen abhielt

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Seit gestern weiß ich dann auch, dass normale Küchenmesser selbst bei 13 cm-Klinge nicht unter das Einfuhrverbot von Waffen fallen. Ich hatte die Zollbestimmung rauf- und runterübersetzt, war mir aber dennoch nicht sicher und hoffte, mit meinen fünf Messern im Gepäck, die wir hier alle Klasse finden und die in Island ein Schweinegeld kosten, dem Zoll zu entgehen. Aber wie der Zufall es so will, war meine Tasche die allererste und ich hatte keine Chance als den sehnsüchtig wartenden Zollbeamten nach den Piloten und dem Kabinenpersonal direkt in die Hände zu laufen. Da half dann auch nicht die sonst nützliche Unschuldsmine – ich war fällig. Aber nachdem sie meine Messer für unbedenklich hielten, hatten sie keine Lust, sich weiter durch meine Dreckwäsche zu graben und unterließen eine gründlichere Durchsuchung. Nein, sie entschuldigten sich sogar. Warum? Ist doch ihr Job. Immerhin weiß ich nun Bescheid und würde das nächste Mal mit weniger Herzklopfen fahren 8) .
So, ab Morgen beginnt das Aufarbeiten der letzten 17 Tage und dann folgt der Weihnachtsgästestress.
Dieses Foto entstand am 3.12. in Rvk … einer der ganz wenigen Tage meiner letzten 2 Monate vor der Abreise, an denen die Sonne wolkenfrei vom Himmel schien:

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