Es gibt da diesen Kannibalenwitz vom Menschenfresser

Island ist mehr als nur ein Reiseland. In diesem Forum werden gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Themen diskutiert. Eben alles, was nicht unbedingt mit Tourismus und Reise zu tun hat.
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Andreas
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Es gibt da diesen Kannibalenwitz vom Menschenfresser

Beitrag von Andreas »

Warum Islands Finanzkollaps ein politischer und moralischer Skandal ist
Von Einar Mar Gudmundsson (Deutsch von Gudrun M. H. Kloes)

http://www.sueddeutsche.de/958382/733/2 ... ieten.html
Íslenska er alls ekki erfitt tungumál! Jafnvel lítil börn tala það á eyjunni.
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Sigrid
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Beitrag von Sigrid »

Aus dem Artikel trieft viel Resignation.
The sky maybe falling down, but the stars look good on you ... himininn er að hrynja, en stjörnurnar fara þér vel

Ein paar meiner Bilder gibt´s da -->Flickr
MartinB
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Beitrag von MartinB »

Ich frage mich, ob es Pessimismus oder Realismus ist? Jahrzehntealte Erkenntnisse (bspw. des "Club of Rome", der nicht unbedingt einer sozialistischen Revolution verdächtig ist) finden ja auch außerhalb Islands in der breiten Diskussion keine wirkliche Beachtung. Man muss die Positionen ja nicht teilen, aber diskussionswürdig wären sie allemal. Wie hat das neulich mal jemand formuliert: Es wird nach den Veränderungen gesucht, damit alles bleiben kann, wie es ist. Und an diesem Punkt bin ich der Meinung, dass es da gar nicht den großen Unterschied zwischen "denen da Oben" und den "Normalen" gibt. Ob die Isländer die Situation nutzen, um die Dinge tiefgreifender in Frage zu stellen? Wünschen würde ich es Ihnen!
WERner

Beitrag von WERner »

Zuerst mal an Peter (admin)

dieser Tread sollte wohl nach "Politik und Wirtschaft" verschoben werden...ist dort besser aufgehoben als unter "Literatur......"...;)

Resignation kann ich aus dem Artikel von Einar Mar Gudmundsson leider nicht rauslesen, es ist Realität.
Meiner Meinung nach könnte so ein Kommentar, zumindest weitgehends inhaltlich, ohne weiteres auch von einem deutschen (spanischen, britischen usw...) Journalisten verfasst sein...an dieser Zockerei haben sich weltweit alle Banken beteiligt und eigentlich läuft überall das gleiche Szenario ab: Die Gewinne waren, sind und bleiben privatisiert und die Schulden-Berge werden verstaatlicht (sozialisiert) und die "notleidenden Banken" schreien immer lauter nach staatlichen Subventionen.

Wers noch nicht kennt, gib mal bei goooogle "es war einmal in einer Kneipe" ein und lese diese ironisch witzige Erklärung der Finanzkrise und wie es dazu kommen kann.

Ob die Isländer nun tiefer greifende Erkenntnisse aus dem Schlamassel finden...hm....ich bin da immer noch sehr skeptisch....Die möchten eher wieder den "friedlichen" Zustand herstellen, der vor zwei/drei Jahren hier herrschte...sorglos ob der Zukunft.
Ein für mich erschreckendes Umfrage-Ergebniss unter den Gymnasiasten im Wahlalter im Januar diesen Jahres: 80% würden die "selbstständige" Partei wählen, die jahrzehntelange Regierungspartei die fast tatenlos zuschauend diesen Crash mitverursacht hat und die immer noch an den Schalthebeln der Wirtschaft sitzt und so schnell wie möglich den alten Status wieder herstellen möchte und das wird das "neue Island" genannt.
Ist das nun "Ironie" oder "Realsatire" oder einfach nur "Sarkasmus" ?

Die Bevölkerung, der einfache Steuerzahler "ächzt" unter der Last der Inflation von über 18%, etwa 50% der privaten Haushalte sind überschuldet oder an der Grenze zur Überschuldung und "die da oben", die Banker und Finanzjongleure kommen auf einen Stundenlohn von über 25.000 isk (in Worten fünfundzwanzig-tausend isländische Kronen). Soviel ungefähr verdient ein Arbeiter im Supermarkt pro Woche!! bei 40 Stunden.
Ich selbst erwarte zum 1. März die dritte Mieterhöhung seit Februar 2008, von 34.500 über 38.000 auf 43.000 zu ????. Und dabei gehts mir noch gut als Single und mit einem sicheren Arbeitsplatz und relativ guter Bezahlung, Familien mit Kindern im Schulalter müssen sich da schon ganz schön lang machen, damit ihr Einkommen ausreicht..."am Ende des Geldes ist immer noch soviel Monat übrig", die ersparten Notgroschen sind weitgehends aufgebraucht, es bleibt kein finanzieller Spielraum mehr.

Am Beispiel Islands und der kleinen Volkkswirtschaft kann man erkennen, wohin der "freie" Kredithandel, der Handel mit "ungedeckten" Kreditpapieren führt, selbst Gordon Brown sagte in einem Interview: uns Briten gehts inzwischen genauso wie Island, lediglich die grössere Volkswirtschaft fängt schwerere Krisenauswirkungen ab.....
Bevor ich nun abschweife in eine "globale Wirtschaftsdikussion" schliesse ich meinen Beitrag mal ab, dazu gibts ja schliesslich diverse Wirtschafts-Foren im Netz und in "Fach"-Zeitungen...;)
Magnus
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Beitrag von Magnus »

Ein für mich erschreckendes Umfrage-Ergebniss unter den Gymnasiasten im Wahlalter im Januar diesen Jahres: 80% würden die "selbstständige" Partei wählen, die jahrzehntelange Regierungspartei die fast tatenlos zuschauend diesen Crash mitverursacht hat und die immer noch an den Schalthebeln der Wirtschaft sitzt und so schnell wie möglich den alten Status wieder herstellen möchte und das wird das "neue Island" genannt.
Und woran liegt das deiner Meinung nach? Ist das Obrigkeithörigkeit, oder feiner ausgedrückt, Loyalität? Oder die Angst, dass es die anderen noch viel mehr verbocken würden? Die Hoffnung, das mit dem alten System der "alte" Wohlstand zurückkehrt?
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HDK
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Beitrag von HDK »

Ich bin zwar nicht gefragt und bin sicher nicht kompetent genug, deine Fragen gültig zu beantworten. Aber ein paar Gedanken möchte ich doch anbringen:

Vielleicht ist es mangelnde Aufklärung. Ich weiß ja nicht, wie der Fächerkanon und die Stoffpläne an isländischen Schulen aussehen. Aber an deutschen Schulen führt das Fach "Wirtschaftslehre" ein Mauerblümchendasein, und täte es dies nicht, würden wohl die vorherrschenden Moden das Fach dominieren, sprich, Kritik am Neoliberalismus verpönt sein.

Der folgende Abschnitt aus dem Artikel der SZ ist bemerkenswert:
Vielleicht ist Island eine Art Versuchsküche dessen, was weltweit kommen wird, und wenn nicht, dann eine überzogene Ausgabe des Zustandes, der Krise, was man am besten daran erkennen kann, dass die Schuldenlast der isländischen Geldinstitute das Zwölffache des Nationalproduktes beträgt.
Island ist hoffentlich nur eine überzogene Ausgabe der Krise. Ein paar Düfte aus der Gerüchteküche:

Bei europäischen Banken sollen angeblich noch faule bzw. unverkäufliche Wertpapiere bzw. Derivate im Wert von 18,1 Billionen EUR in den Büchern schlummern. 2007 betrug das Gesamt-BIP 12 340 Milliarden Euro (12,34 Bill.) (Quelle)

Weltweit sollen ca. 35-40 Billionen fauler Kredite im Umlauf sein. Das BP der Welt beträgt ca. 54 Billionen im Jahr.

Diese Zahlen kann ich nicht belegen, sie sind aus dem Net gebuddelt, also mit Skepsis zu lesen.
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