Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Mit eigenem oder gemieteten Auto oder Wohnmobil.
Dominik2312
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Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Beitrag von Dominik2312 » Sa 31. Mär 2012, 01:12

Hallo erstmal,

bin ganz neu im Forum und freue mich schon hier aktiv zu werden. Meine erstes Anliegen:

Ich bin im Juni das erste Mal auf Island. In Schweden und Norwegen versuche ich mit meinem Freelander2 + Dachzelt immer ein einsames Plätzchen zu finden um dort zu nächtigen, da ich nicht der Campingplatz-Fan bin. Jetzt habe ich gehört, dass in Island scheinbar schon teilweise "von der Spur abkommen" offroad und damit strafbar sein soll. Habe ich z.B. im Hochland nur die Möglichkeit quasi Mitten auf dem Weg aufzuschlagen oder gibt es Gebiete in denen man auch ein wenig (und wenn es nur 10m sind) von der Strecke abzufahren?

Danke für eure Tipps und Anregungen!

Gruß,
Dominik
gerneklein
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Re: Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Beitrag von gerneklein » Sa 31. Mär 2012, 03:37

Hallo Dominik
Dominik2312 hat geschrieben:Jetzt habe ich gehört, dass in Island scheinbar schon teilweise "von der Spur abkommen" offroad und damit strafbar sein soll.
Ja, das war es schon immer und ist jetzt verschaerft worden. Siehe http://www.islandreise.info/viewtopic.p ... 120#p32042
Im Gegensatz zu Schweden und Norwegen ist die Natur in Island viel empfindlicher und Spuren von Reifen teilweise jahrzentelang noch zu erkennen. Ich habe auf Wanderungen Teile von toten Pisten mit schmaler Achsbreite gefunden die irgendwie aus einer Zeit nach dem zweiten Weltkrieg stammen muessen als die Leute in Island mit den amerikanischen Militaerjeeps unterwegs waren. Sie sind unter anderen gut zu erkennen, weil sie entweder tiefe Rinnen gebildet haben oder aber inzwischen Gras bevorzugt in den Vertiefungen waechst (sozusagen gruene Spuren). Dies beantwortet auch Deine Frage, ob man 10 Meter von der Piste runterfahren darf - nein, darf man nicht, der Schaden ist sofort da.
Dominik2312 hat geschrieben: Habe ich z.B. im Hochland nur die Möglichkeit quasi Mitten auf dem Weg aufzuschlagen oder gibt es Gebiete in denen man auch ein wenig (und wenn es nur 10m sind) von der Strecke abzufahren?
Wie gesagt man darf nicht von der Piste runterfahren. In der Praxis muss man aber nicht mitten auf der Piste stehenbleiben um zu uebernachten. Es gibt genuegend Ausbuchtungen, Plaetze, wo Leute aussteigen zum Wandern, Plaetze, wo Leute stehenbleiben um die Aussicht zu geniessen und nicht zuletzt die Furten, wo - weil man wechselnde Einstiege in den Fluss hat - normalerweise immer Platz da ist.
Es gibt allerdings ein anderes "Problem" ....
Dominik2312 hat geschrieben: da ich nicht der Campingplatz-Fan bin
Ich denke, da kriegst Du ein Problem oder wirst enttaeuscht sein.
Island ist inzwischen so bereist dass viele Gebiete des Hochlandes entweder Nationalpark sind oder geschuetzte Gebiete. Und in diesen Gebieten hast Du mit einem Auto absolut keine Argumentation keinen Campingplatz anzufahren.
Wanderer oder Radfahrer, die glaubhaft machen koennen dass sie es beim besten Willen nicht mehr zum Campingplatz schaffen konnten, da wird es gerade so fuer eine Nacht gedultet. Aber Autofahrer haben keine Chance - dazu sind Autos viel zu mobil.
Die bekanntesten Gebiete sind Fjallabak, Nationalpark Vatnajökull, Jökulsárgljúfur, Laki, Myvatn, Eldgjá .... - aber es gibt noch viel mehr!
Hier ist eine Uebersicht der geschuetzten Gebiete (direkt auf das Bild mit der Schrift "Friðlýst svæði" klicken):
http://www.ust.is/umhverfisstofnun/#1cd ... 4f0ed48f4e
Hier ist das beruehmte Schutzgebiet Fjallabak (die gruene gestrichelte Linie):
http://www.landmannahellir.is/english/f ... nature.htm
Hier ist der riesige Nationalpark Vatnajökull (die Karte zeigt nicht nur die Grenze des Nationalparks sondern auch noch angrenzende Schutzgebiete):
http://www.vatnajokulsthjodgardur.is/me ... kt2011.jpg
Hier ist eine namentliche Auflistung aller Schutzgebiete:
http://www.ust.is/default.aspx?PageID=6 ... bf88c18cae
Hier ist nochmal eine Uebersicht aller Karten des Vatnajökull Nationalpark:
http://www.vatnajokulsthjodgardur.is/en ... apservice/

Im Prinzip ist Island kein Traumland fuer Wohnmobile und Wohnkabinen - das Hochland ist eigentlich ziemlich klein (wie man entweder nach mehreren Islandreisen feststellt oder wenn man auf hohe Berge im Hochland klettert und sich mal umschaut) und man befindet sich eher schneller und haeufiger in einem Schutzgebiet als man vielleicht zu glauben meint.
Das alte Bild von dem "ich fahr ins Hochland und such mir einen schoenen Platz mit dem Auto ganz fuer mich allein" ist ein Bild der Vergangenheit. Man kann heute noch hier und da ehemalige beliebte Uebernachtungsplaetze erkennen, die nicht mehr benutzt werden duerfen - auch nicht von den Islaendern, die sich mit den "neuen Zeiten" auch arrangiert zu haben scheinen.
Und wie gesagt, man kann heute auch noch uralte Spuren erkennen. Aber nur Pisten die auf anerkannten Karten eingezeichnet sind sind legal, alles andere ist Offroad. Darauf sind schon einige Leute reingefallen, pruefe sorgfaeltig mit Deiner Karte, die zu diesem Zweck am besten islaendisch sein sollte. Auf diesen islaendischen Karten solltest Du auch die Grenzen der Nationalparks und Schutzgebiete gut erkennen koennen - pruefe als Test vorm Kauf, ob das Fjallabakgebiet gekennzeichnet ist.

viel Spass
Leon
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Re: Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Beitrag von Sigrid » Sa 31. Mär 2012, 05:58

Hi,
wilkommen im Forum.
Leon hat´s treffend beschrieben.
Ein Wort zu Campingplätzen in Island allgemein. Sie entsprechen nicht unbedingt dem Bild, was man als Mitteleuropäer vor den Augen hat.
Gutes Planen.
Sigrid
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Ein paar meiner Bilder gibt´s da -->Flickr
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Re: Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Beitrag von Dominik2312 » Sa 31. Mär 2012, 09:29

Moin,
schon mal Danke für die ausführlichen Antworten. Wie sieht's denn aus, wenn man nicht Mitten im Hochland ist? Es gibt doch auf Island sicherlich noch offizielle Straßen, die ins Nirgendwo führen und kein Campingplatz in der Nähe ist, sowas gibt es ja sogar in Deutschland.

Grüße,
Dominik
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Re: Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Beitrag von Peter » Sa 31. Mär 2012, 09:37

Ein Zeltplatz ist entlang der Küstenstrecken fast immer zu erreichen. Und 10km fahren kann man einem Autofahrer schon mal zumuten. Der Hiwneis von Sigrid ist da sehr wichtig: Campingplätze in Island sind häufig nicht mit denen in Mitteleuropa zu vergleichen! Das gilt vor allem für Campungplätze in der Nähe von Sehenswürdigkeiten (z.B. Skogarfoss...)
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Re: Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Beitrag von Karli » Sa 31. Mär 2012, 11:58

Hallo Dominik,

du kannst die Campingplätze auf Island nicht mit unseren in D vergleichen,
das sind andere Campingplätze von ihrer Art her, die Leute sind auch anderster drauf.

Ich habe auch genug Plätze gefunden, wo ich mich alleine verkrümeln konnte ohne gleich die Natur zu verunstalten.

Schau es dir einfach vor Ort an. Du wirst überrascht sein

Was mir noch gerade einfält, da ich selber auch mit Dachzelt unterwegs bin.

Stängig wechselnde Windrichtungen werden dir die Nachtruhe schon austreiben. Okay, es ist halt nur 3 Std Dunkel

Gruß karli
gerneklein
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Re: Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Beitrag von gerneklein » Sa 31. Mär 2012, 13:33

Dominik2312 hat geschrieben:Wie sieht's denn aus, wenn man nicht Mitten im Hochland ist? Es gibt doch auf Island sicherlich noch offizielle Straßen, die ins Nirgendwo führen und kein Campingplatz in der Nähe ist, sowas gibt es ja sogar in Deutschland.
Hallo Dominik, dazu gibt es schlechte und gute Nachrichten.
Hier die schlechten Nachrichten:
+ Dein genanntes "Nirgendwo" gibt es nicht an der Kueste und im "niedrigen" Land - also alles was man gemeinhin als "Nicht-Hochland" bezeichnet.
Das ist alles privates Land: Farmland, bewirtschaftet, unbewirtschaftet, Berge oder grobe Lava, voellig egal. Du kannst Dich ausserhalb des Hochlandes praktisch gar nicht auf "weissen" Land bewegen, es gibt immer einen Besitzer. Im Prinzip und mehr abstrakt (weil Staat oder Gemeinden) gilt das auch fuer das Hochland aber das fuehrt zu weit hier (Wasserrechte, seufz....).
Weil das so ist gibt es umfangreiche Rechte fuer Wanderer und Reisende. Kein Zaun oder Schild kann Dich z.B. daran hindern auf einen Berg zu laufen - da kann sich der Besitzer auf dem Kopf stellen. Oder ueber unbewirtschaftetes Land zu latschen. Oder am Strand langzulaufen. (Ausnahme: Brutgebiete und Schutzgebiete).
Das ist ziemlich grossartig in Island denn es gibt Dir Rechte alles anzuschauen - da kann so ein Mist wie in Mallorca wo ganze Kuestenabschnitte privat und geschlossen sind nicht passieren.
Dieselben Rechte verpflichten aber den Wanderer zu allem moeglichen, die wichtigsten sind "Kein Feuer machen", "Nicht mehr als drei Zelte fuer eine Nacht" und "Weitergehen". "Drei Zelte fuer eine Nacht" gilt wenn kein Campingplatz erreichbar ist - und da wird gewoehnlich ein anderer Masstab fuer Autos angelegt als 10 Kilometer die Peter genannt hat. 10 Kilometer an der Kueste sind fuer einen Islaender ein ziemlicher Witz, Du kannst mit 30 - 50 Kilometer rechnen. Du siehst, die Argumentation ist ganz aehnlich wie in den Nationalparks und Schutzgebieten des Hochlandes - sobald ein Campingplatz zumutbar erreichbar ist darfst Du nicht auf diesen Land mit dem Auto campieren.
+ Straende sind "beliebt" als illegale Uebernachtungsplaetze fuer Autofahrer. Aber alle Straende gehoeren Besitzern wegen dem Strandgut, das man uebrigens gar nicht einsammeln darf, alles gehoert dem Strandbesitzer (wertvolles Holz!)
+ Wohnmobile tauchen in bestimmten Gegenden so haeufig auf, dass die Nerven der Farmer im Sommer blank liegen. Ich musste einmal einem aufgebrachten Farmer in Snæfellsnes beruhigen, dass ich nur beabsichtige fuer einen Tag zu wandern und das Auto spaet in der Nacht wieder verschwindet (es war uebrigens nur ein Jeep und kein Wohnmobil). Er hat sich dann entschuldigt und meinte, dass er es leid ist, jede Nacht ein Wohnmobil oder Auto dort stehen zu sehen. Er hat vorher wuetend Richtung Ort gezeigt... wo ein Campingplatz ist.
+ Du wirst auf Deiner Reise in Island beobachten dass in attraktiven Gebieten einige Strassen mit Ketten und Schloessern oder elektronischen Schranken abgesperrt sind. Andere haben das Schild "Einkavegur" (Privatweg). Wegen den oben genannten umfangreichen Rechten ist das rechtlich umstritten, man kann nicht einfach das Wegerecht auch fuer Autos aufheben.
Darueber streiten sich auch die Islaender. Ein Grund warum Strassen abgesperrt werden ist die Absicht Wohnmobile fern zu halten.

Die guten Nachrichten:
+ Wie Karli, Peter und Sigrid betont haben sind Zeltplaetze nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Sie sind "offen", es gibt in der ueberwiegenden Mehrzahl keine Parzellen und sind meistens sehr grosszuegig. Sie gleichen oft einer riesigen Wiese mit einem Sanitaer- und Kochbereich, kein Zaun weit und breit. Du wirst auch keine strengen Regeln finden, man erwartet einfach vernuenftiges Benehmen.
+ Es kommt noch besser: Viele kleine Orte bieten Wohnmobilen kostenlos sehr schoene Plaetze an - in der Naehe von Schwimmbaedern oder Tankstellen, an schoenen Aussichten. Die Plaetze sind oft besser als die Campingplaetze aber Heringe kriegt man da nicht in den Boden :-)

viel Spass in Island
Leon
Zuletzt geändert von gerneklein am Sa 31. Mär 2012, 23:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Beitrag von Dominik2312 » Sa 31. Mär 2012, 17:05

Hallo liebe Gemeinde,

das hört sich doch alles schon mal ganz umfangreich an. Gut, diese ganzen Dinge zu wissen, Island ist halt doch ein wenig anders als z.B. Schweden. Man will ja nicht gleich negativ auffallen. Was meint ihr denn zu der Reisezeit. Ich gehe vom 1.-23. Juni, da dürfte auch noch nicht allzu viel los sein oder?

Gruß, Dominik
snaefell
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Re: Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Beitrag von snaefell » Sa 31. Mär 2012, 18:27

Dominik2312 hat geschrieben:als z.B. Schweden. Man will ja nicht gleich negativ auffallen. Was meint ihr denn zu der Reisezeit. Ich gehe vom 1.-23. Juni, da dürfte auch noch nicht allzu viel los sein oder?
In der Zeit ist das Hochland aber nur sehr eingeschränkt, wenn überhaupt befahrbar.

Gruss

Christian
Dominik2312
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Re: Schönes Plätzchen zum Dachzelten

Beitrag von Dominik2312 » Sa 31. Mär 2012, 20:58

Das macht nix, da ich das erste Mal dort bin nehm ich alles mit. Auch die unspektakuläreren Hochlandstrecken. Die ein oder andere wird sicherlich offen sein oder nicht?

Gruss, Dominik

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