Also dein Plan A hat ein paar kleine Problemchen, glaube ich:
- Die schnellste Islanddurchquerung von der ich bisher gehört habe hat 10 Tage gedauert, wobei der Kerl nur etwa 8kg insgesamt dabei hatte und so ungefähr in seinem Rucksack geschlafen hat und täglich einen Müsliriegel knabbern durfte. Die Tagesetappen waren dabei auch alle etwa 50km lang. Ich weiß ja nicht, auf wieviele Kilometer du mit deiner Planung gekommen bist, aber... naja... "ambitioniert" würde ich das schon nennen, vor allem wenn du noch ein paar wärmere Klamotten mitnehmen möchtest.
- Über die Flüsse zwischen dem Laugarfell und der Ingólfskáli brauchst du dir keine Gedanken machen - die sind harmlos. Zumindest im Vergleich zu den Flüssen zwischen der Ingólskáli und dem Kjölur Hochland. Die wiederum sind sehr beliebt um aufgezüchtete Geländewagen darin zu versenken. Normalerweise fahren die meisten Menschen dort gegen Ende August oder September hin. Ich denke zur Zeit der Schneeschmelze im Juni ist noch niemand auf den Gedanken gekommen, das zu probieren, keine Ahnung wie es dann dort aussieht...
- Mir ist auch nicht ganz klar, wie du dir die Route im Süden vorgestellt hast zwischen Hveravellir und Landmannalaugar (das würde ich bei normalem Tempo eher mit 10 Tagen veranschlagen, aber seis drum). Dort gibt es auch ein paar kleinere Flüsse, z.B. einen Jökulfall und eine Þjórsá. Die einzige "vernünftige" Route in der Gegend führt von den Kerlingarfjöll über Setur und dann parallel zur Þjórsá bis zu den Staudämmen am Sultartangalón. Auch da gibts noch ein paar interessante Flüsschen zu überqueren, insbesondere Dalsá und Kisa. Sind sicher auch recht imposant zur Zeit der Schneeschmelze.
- Abgesehen davon ist der Boden im Hochland wohl gerade dabei aufzutauen, so dass sich weite Teile des Hochlands in einen tiefen Morast verwandelt haben dürften. Vielleicht hast du auch noch Glück und findest ab und zu ein paar trügerische Schneebrücken. Aber Anfang Juni (und Mai) sind einfach die denkbar schlechteste Jahreszeit fürs isländische Hochland. Ich hab mal auf einer Wintertour mit ein paar Schweden und einem Hüttenwärter geredet (das war in Schweden), nach einem Tag mit durchgehendem Schneeregen wo alle bis auf die Haut durchnässt und durchgefroren waren meinten meine Mitwanderer "Oh, wie anders das hier doch im Winter ist im Vergleich zum Sommer. Aber, wir waren noch nie im Mai hier. Wie siehts hier denn wohl im Mai aus?" - "Da wird es dann richtig nass" meinte der Hüttenwärter. Ich möchte es nicht ausprobieren!
Deine Alternativpläne haben auch so ein paar Tücken:
- Zunächst mal wünsche ich dir sehr viel Erfolg bei der Suche nach einem Bus, der dich Anfang Juni vom Landmannalaugar weiterbringt. Wenn du am 17. Juni dann deine Tour beendet hast und in Reykjavík angekommen bist, dann würde ich erwarten, dass die Pisten gerade aufgemacht sein dürften.
- Ich weiß nicht, welche Grænalón-Route du dir ausgesucht hast, aber du musst entweder ein paar Furten durchqueren, die ich nichtmal bei niedrigem Wasserstand im September durchqueren wollen würde, oder ein paar Abschnitte auf einem Gletscher zurücklegen. Die Flüsse kannst du dir dann ja mal im Juni anschauen und dir das nochmal überlegen. Wenn du dir den Skeiðarárjökull vorgenommen hast, ist der Gletscher ja sowieso inbegriffen. Ich glaube die Schmelzwassserproblematik dürfte auf einem Gletscher nochmal dramatisch verschärft sein und du wirst womöglich auf eine Menge Schneesumpf treffen. Wenn du zu früh bist, hast du noch eine trügerische Schneeschicht die dir alle Gletscherspalten schön verbirgt (...die hält bestimmt noch dein Gewicht, ist ja nicht so dass sie gerade am abschmelzen wäre, oder?) und ich würde vermuten, dass du ab Ende Juni vielleicht dann anfangen kannst, mit brauchbaren Verhältnissen zu rechnen (blanke Eisschicht ohne Schneedecke). Aber vielleicht hast du ja auch eine bessere Route gefunden, ich kenn die Gegend bisher ja auch nur von Fotos und Berichten.
Und noch so ein paar allgemeine Gedanken:
- Das Hochland ist derzeit noch
"gesperrt", und das heißt, selbst wenn du deine Route hinterlegst und selbst wenn die Bergwacht ganz genau weiß, wo du steckst wenn du ein Notsignal sendest, sie können faktisch nichts machen! Und zwar überhaupt nichts. Schweres Gerät oder auch nur leichte Geländewagen können zu der Jahreszeit rein physisch nicht ins Hochland, da kann man noch so viel wünschen und wollen. Im allergünstigsten Fall könnte dich vielleicht noch ein Helikopter an einer Winde rausziehen, aber landen könnte der wahrscheinlich auch nicht richtig.
- Deine Idee mit dem Smartphone würde ich auch nochmal überdenken, nicht nur wegen des Handynetzes, das zwar überall funktionieren soll, auf das ich aber nicht mein Leben verwetten würde. Insbesondere sind Smartphones auch sehr dafür bekannt, dass sie Batterien fressen und nach bestenfalls drei Tagen platt sind. Ich hoffe du erwartest keine Steckdosen?
Alles in allem möchte ich dir dringend Abraten: Zunächst mal von deiner Route A, die einige der heikelsten Furten Islands beinhaltet, und insbesondere auch von der Idee, das Hochland Anfang Juni zu besuchen.
Aber falls es dich tröstet, man kann bei den isländischen (Musik-)festivals sehr gut einfach so dabei sein. Zum 17. Juni hab ichs noch nie geschafft, aber diverse andere male bin ich einfach per Bus oder zu Fuß in die Innenstadt gegangen und hab mich umgeschaut. Normalerweise ist bei sowas die ganze Stadt auf den Beinen und es ergibt sich dann alles mögliche.
Und falls du doch noch wandern willst empfehle ich z.B. die Tröllaskagi zwischen Akureyri und dem Skagafjörður. Oder das Fnjóskadalur, Bleiksmyrardalur und Gönguskarð östlich von Akureyri. Vielleicht kannst du auch in den Ostfjorden etwas unternehmen. In all diesen Fällen wirst du auf den Bergpässen wohl noch mit Schnee zu kämpfen haben, aber du kannst dann jeweils wieder umdrehen, dir eine neue Route suchen, oder dich per Linienbus retten lassen.