The Grænalón Trail
Ein faszinierender Trail der an Abwechslung und Naturschönheit keine Wünsche offen lässt. Über den Trail selbst und seine Eigenheiten ist an anderen Stellen bereits geschrieben worden, hier nun ein Video das die kurze Variante von Skaftafell nach Núpstaðarskógur im August 2010 zeigt.
Anmerkung: Die Luftaufnahmen sind aus dem Jahre 2006 und zeigen wie stark sich der Wasserspiegel seither abgesenkt und die Umgebung sich verändert hat
Link zum Video auf Vimeo > (15 Min)
Nachdem ich gerade vom Laugavegur gekommen bin blendet mich das Weiß des Hvannadalshnúkur und das Grün des Skaftafell Nationalparks.
Um 12:00 Uhr geht es los, vorbei an den Hütten der Mountain Guides und unzähligen Touristen. Heute steht der Aufstieg Richtung Blatindur (1177 Hm) am Programm. Nach einem Abstecher zum Svartifoss, der mittlerweile durch Absperrungen vor dem Touristenstrom geschützt wird geht es in’s Tal der Morsa bevor der Anstieg in die Berge folgt. Vorher nehme ich aber noch eine Dusche unter dem versteckten Wasserfall in der Retargil. Kleine Steinwarten zeigen den Weg, aber ich muss mich doch nach dem Laugavegur auf das weglose Gehen wieder einstellen da ich den Weg nicht immer erkennen kann. In 800 Höhenmeter auf einem Plateau angekommen und nach 7 Stunden Gehzeit genieße ich die Ruhe das wolkenlose Wetter und die Aussicht auf den Skeidararsandur vor dem Zelt.
Um 6:00 Uhr aufgestanden muß ich erkennen dass sich das Wetter entgegen aller Voraussagen, zwei Tage zuvor, stark verschlechtert. Die Wolken ziehen aus der Ebene die Berghänge empor und am Grat der zum Blatindur führt angekommen, beginnt es zu Regnen. Pfade sind nun wieder leichter zu erkennen. Man verliert sie zwar immer wieder, aber das GPS führt mich trotz schlechter Sicht wieder auf den Weg zurück. Nach 4 Stunden stehe ich im Nordurdalur am Balkon mit Ausblick auf den Skeidararjökull. Bereits um 11:00 beschließe ich das Zelt wegen des starken Regens wieder aufzubauen und auf besseres Wetter zu warten um den Gletscher zu queren. Nach 5 Stunden ist der Spuk vorbei und sogar die Sonne kommt am Abend hervor.
Perfektes Wetter am nächsten Tag. Um 5:00 Uhr aufgestanden zeichnen sich gerade die ersten Sonnenstrahlen an den Berggipfeln ab. Der Übergang zum Gletscher ist recht einfach. Direkt von festem Boden auf’s Eis geht es nun über 12,5 km Luftlinie Richtung WNW zum Grænafall. Im östlichen Bereich ca 4 km sind einige Spalten zu umgehen. Die Spalten liegen allerdings im Gegensatz zu den letzten 3 km im Westen nicht komplett quer zur Gehrichtung. Die Brücken zwischen den Spalten sind breit und gut zu gehen. Nach 3 Stunden ziehe ich die Grödel wieder aus um schneller vorwärts zu kommen. Große Spalten sind nun keine mehr zu sehen, allerdings kommt man dann in einen Bereich der Ablationskegel die einem Labyrinth ähneln. Selbst am Gletscher ist es ratsam sich an den GPS Track zu halten. Sobald ich davon abweiche muss ich feststellen dass es einfach schwieriger wird vorwärts zu kommen und mehr Hindernisse zu umgehen sind. Das Labyrinth ist geschafft und die Spaltenzone im Westen beginnt. Grödel wieder angezogen, gilt es nun die letzten 3 km alle 10 bis 20 m eine Gletscherspalte zu queren. Nach 9 Stunden hab ich wieder festen Boden unter den Füßen und denke zurück an die letzten Stunden die mich durch eine faszinierende Gletscherwelt führten. Nach einer weiteren Stunde bin ich am „Campingplatz“ am See angelangt. Gleich nebenan befindet sich die perfekte Dusche in Form eines kleinen Wasserfalls. Die Felswand darunter ist mit Moos überzogen sodass man sich da auch mal den Rücken abschruppen kann. Am Abend kommt der vorhergesagte starke Regen.
Ich hab gehofft dass der Regen am nächsten Tag vielleicht nicht ganz so stark ausfällt. Meine Hoffnungen wurden leider nicht erfüllt. So regnet es den ganzen Tag und nochmals sehr stark in der darauf folgenden Nacht. Ich muss die ganze Zeit an mein letztes Hindernis bei dieser Tour, an die Nupsa denken. Nun gilt es allerdings einmal auf die nächsten Schritte aufzupassen. Entlang des Sees sind immer wieder weiche Stellen zu beobachten an denen man leicht versinkt. Da ist Vorsicht geboten wo man hintritt. Am Flussdelta furte ich den Zufluss zum See. Starker Regen setzt natürlich gerade zum ungünstigsten Moment ein. Wie ich mir da vorher so den ewig breiten Zufluss ansehe muss ich erkennen dass etwa doppelt Fussball große runde Steine in den einzelnen Rinnen mitgerissen werden. Die Strömung ist stark aber ich finde eine passende Linie durch die knietiefen und kalten Fluten. Nach einer ½ Stunde kommt mir ein Mountainguide mit einer Gruppe Franzosen entgegen. Er war erleichtert als ich ihm mitteilte dass ich von der anderen Seite des Flusses gekommen bin und nicht, wie er aufgrund des Regens angenommen hatte, umgekehrt bin. Ich glaube er hat dann 1 Stunde gebraucht um die gesamte Gruppe über den Fluss zu bringen. Mountainguides haben ein hartes Leben!
Nach 8 Stunden stehe ich am GPS Punkt „GR_GIL“. Die Schlucht die mich ins Núpstaðarskógur führt. Der Blick von oben hinunter durch die Schlucht fällt geradewegs auf die darunter liegende reißende Nupsa. Ein Pfad führt steil bergab durch das Geröll das in der engen Schlucht liegt. Nach einer weiteren Stunde durch vollkommen durchnässtes Gras und Gebüsch stehe ich am Nupsafoss. Der abschüssige Weg selbst ist zum Bach geworden. Das Zelt wird mit bester Aussicht auf die sich nach dem Tal erstreckende weite Ebene aufgestellt. Zur nächsten Wasserstelle sind es nur 30 cm. Jedes Loch ist angefüllt mit Wasser und alles schwimmt.
Die ganze Nacht regnet es bereits stark. Ich warte noch zu, da sich das Wetter bald bessern sollte. Gegen 11:00 war es dann soweit. Die Sonne kam wieder zum Vorschein. Nach einer letzten Runde zum Nupsafoss geht es nun weiter über die regennasse Felswand mit Hilfe der bereits berühmten Kette und weiter Richtung 1er zum letzten Hindernis. Der Regen der letzten Stunden hat einiges an Wasser mit sich gebracht. Die UTVIST Hütte ist umgeben von Wasser. Angekommen an der Nupsa Furt, verstaue ich zur Sicherheit die Kammera nochmals in einem wasserdichten Sack. Das Wasser reicht mir im letzten Drittel der Furt bis zur Hüfte. Die Skistecken vibrieren durch die Strömung. 10 Meter noch bis zum rettenden Ufer wird der Untergrund wieder seichter. Vorne bis kurz unter die Brust und hinten bis zum Rücken nass steige ich aus dem Wasser. Wenigstens scheint nun wieder die Sonne.
So ist die Tour bis zum letzten Meter spannend geblieben! Den letzten Schluck 80%igen Rum hab ich mir da redlich verdient

Link zum Video auf Vimeo > (15 Min)
Viel Spass damit und viele Grüße
Andi